Liebe Mitglieder unserer Gemeinde, aber auch Sie:
Dresdner und ihre Gäste, zufällig hier Blätternde,
Mitchristen am Elbhang, Pilger auf der Durchreise,
Neugierige und Freunde unserer Loschwitzer Kirche,

Sie halten einen ersten GEMEINDEBRIEF, entstanden im neuen Jahr, in den Händen. Er zeigt auf der Titelseite an, welchem Verbund unsere Gemeinde seit Jahresbeginn zugeordnet ist: Wir haben zur ersten nun drei weitere Schwestern bekommen. Zugleich sehen Sie auf den folgenden 23 Seiten, dass dieser BRIEF AN SIE auch weiter die Visitenkarte unserer Loschwitzer Ge­mein­de ist. Und bleiben soll. Die einen wird dies freuen und beruhigen: Ja, wird sind und bleiben erkennbar Ihre Gemeinde – gehen nicht auf im großen Ganzen. Andere wünschen vielleicht Informationen aus den „Schwestern“. Diese werden Sie nach und nach auf der Homepage verlinkt oder auch in anderen ausliegenden GEMEINDE­BRIEFEN finden.

Keine Schwestern, nein: Vater und Sohn schauen uns auf dem Titelbild entgegen – wer wohl ist der Vater, wer der Sohn? Und wer sind die beiden überhaupt? Es sind keine biblischen Gestalten, nicht einmal echte Loschwitzer. Insider können diesen Bildausschnitt sofort zuordnen, steht dieser Gedenkstein doch prominent an der Südfassade unserer Kirche. Er zeigt das Gesichtsprofil von Gerhard von Kügelgen (1772 – 1820) und seinem Sohn Wilhelm (1802 – 1867), links mit Oberlippenbart. Der Sohn sieht älter aus, weil er auch älter wurde:

Vor gerade 200 Jahren, am Abend des 27. März 1820, geschah sie, die Bluttat, an die auch eine schlichte Tafel an der Bautzner Straße in Nähe zur Waldschlösschen­brücke erinnert: Der weitgeschätzte Portrait- und Historienmaler, Professor an der Dresdner Kunstakademie Gerhard von Kügelgen erlag dort auf dem Heimweg von seinem Losch­witzer Atelier einem Raubmord. Der Mörder ist bekannt, ein Soldat namens Johann Gottfried Kaltofen hatte ihn erschlagen. Seine letzte Ruhestätte fand von Kügelgen auf dem Alten Katholischen Friedhof Dresdens.

Das Stadthaus der Kügelgens, noch heute in der Hauptstraße der Neustadt zu besuchen, wurde ,Gottessegen‘ genannt. Es war Treffpunkt von Künstlern der Früh­romantik – und der Schriftzug an seiner Fassade ,An Gottes Segen ist alles gelegen‘ war schon zu tiefster DDR-Zeit eine köstliche Irritation für die Passanten der „Straße der Befreiung“, galten doch damals ganz andere, ja gegenteilige Parolen! Auch heute, aufwändig restauriert, mag er die geschäftigen Dresdner und ihre Gäste heilsam irritieren.
Wie aber gehen solch ein Schicksal und Gottes Segen zusammen? Ein Mensch, der anderen zum Segen wird, muss rätselhaft böse sterben. Wird von Menschenhand umgebracht – wo bleibt dann Gottes bewahrende Hand? Immer schon rangen Glaubende mit dieser Frage – ist sie ja auch die Frage nach dem Sinn der Passion Jesu, an der entlang wir in den kommenden Wochen unser Christ-Sein meditieren. Gottes Hand bewahrt anders vor der Tücke der Menschen als Nibelungenblut. Das Blut Jesu erlöst uns von der Sünde, der Gottferne. Es macht uns frei, uns einer Liebe anzuvertrauen, die all unser Sehnen und Verstehen übersteigt, einer Liebe, die uns in dieses Leben stellt und uns selbst am Ende unserer Tage nicht verloren gibt.

Das lassen Sie uns wieder bedenken, bevor sich im Licht der Osternacht Ausblicke auf fröhliche Ostern und begeisternde Pfingsten eröffnen.

Ihr Pfarrer Markus Deckert