Pfarrer
Markus Deckert


Liebe Gemeinde,

aller 11 Minuten verliebt sich ein Paar über dieses Anbahnungsinstitut, so verrät uns dessen Werbung. Aller wieviel Minuten aber streitet sich ein Paar? Fällt ein Spatz zu Boden? Stirbt ein Mensch in unserer Stadt?

Alles geschieht gleichzeitig. In dieser Welt wird im selben Augenblick geliebt und gelitten. Werden Kinder geboren und Menschen aus dem Leben gerissen. Stolz und zerrissen, in Jubellaune wie in tiefer Niedergeschlagenheit erfahren sich Nachbarn unter einem Dach, in einer Straße. Und auch mancher von uns erlebt Glück und Leid nah, ganz nah beieinander.

In diesen Wochen gehen wir wieder durch die Zeit der Passion. Wer mit achtsamem Blick nach ihren Zeichen Ausschau hält, wird sie finden. Nicht nur in den Nachrichten des Tages, die – da bin ich nüchtern – auch im März von Krieg und Streit, Erniedrigung und Hochmut künden werden. Auch im Nahbereich werden wir vom Anblick des Leides wohl nicht verschont. Bleiben uns offene Wunden und schmerzende Narben nicht verborgen. Aber – so wie hier?

Ein Grabkreuz wird uns vor Augen gestellt: Das Grabmal Schermanski auf dem Loschwitzer Friedhof stammt von 1968 – ein geschnitzter Kruzifixus, den der damals in der Loschwitzer Robert-Diez-Straße, dem 3. Steinweg, wohnhafte Künstler Friedrich Press entwarf und ausführte. Noch mehr als der in sich so stimmige Nosseni-Altar in unserer Kirche macht er mit wenigen Schnitten ins Eichenholz das Grauen der Passion Jesu deutlich – schön anzusehen ist das nicht. Wer stehenbleibt und so zum stillen Betrachter wird, der wird berührt, erschreckt, womöglich gar abgestoßen. Ja, in solche Tiefen steigt Gott, um den Menschen zu finden! Um ihn, um uns zu trösten, uns zu helfen, an Leib und Seele zu heilen. Wer das für sich empfinden kann, dem wird die Wärme eines ersten Frühlingstages noch ganz anders guttun.

In diesen Wochen begegnen wir ja auch ersten Frühlingsboten, gehen wir auf Ostern zu. Und – selbst auf diesem Bild bricht österliche Lebendigkeit hervor. Die Blüten des Rhododendron rahmen den Gekreuzigten. Sie verheißen üppige Fülle, neues Leben, den nahen Sommer. Wer mag, für den stehen sie gar für die Blumen eines himmlischen Gartens.

Viel lieber mögen wir in hübsche Gesichter verliebter Menschen blicken. Doch der Gott Jesu geht mit uns durch alle Tage. ER kennt nicht nur unsere Schau-Seite. Und so mutet ER uns Anblicke zu, die uns das Leben noch einmal wie neu begreifen lassen.
Per crucem et passionem tuam / libera nos domine.. so heißt es in einem Lied aus Taize: Durch das Kreuz und Deine Leidenschaft erlöse uns, o Herr!

Vielleicht können wir so mitbeten? Vielleicht sehnen wir uns nach Erlösung? Dann werden wir ein befreites Ostern feiern.

Sehr gern mit Ihnen unterwegs, Ihr Pfarrer Markus Deckert


Wir haben eine Schwester!

Frisch liiert, wie wir es mit der benachbarten Kirchgemeinde Hosterwitz jetzt sind, darf dies auch einmal auf dem Titelblatt stehen. Wird diese Struktur-Verbindung doch nicht nur hinter den Kulissen Folgen haben, sondern bestenfalls auch im Leben der beiden Gemeinden Effekte mit sich bringen.

Zu Mariä Lichtmeß wurde die seit 1. Januar ’18 in Kraft getretene Verbindung mit einer gemeinsamen Andacht in der Loschwitzer Kirche nun auch geistlich erlebt. Es war ein schönes Bild, wie es bei der Einladung zum wechselseitigen Friedensgruß vor der gemeinsamen Abendmahlsfeier gar kein Halten gab, einander zu grüßen, sich vorzustellen und eben Gottes Frieden zu wünschen.

Mit diesem Gemeindebrief beginnt auch publizistisch ein Weg aufeinander zu: Zwei gottesdienstliche Gelegenheiten laden in die jeweils andere Gemeinde ein. Am Pfingstsonntag dann wird es 17 Uhr im Hosterwitzer Pfarrgarten die zwanglose Einladung zu einem Kirchen-Geburtstagsfest geben, das genauso in neuer Gemeinsamkeit begangen sein will.

Absehbar soll sich in den Gemeindebriefen ein „Fenster zur Schwester“ öffnen. Gemeinsam mit unseren Geschwistern zwischen Niederpoyritz und Söbrigen sind wir gespannt, wann der Marathon um die Wiederbesetzung der dortigen Pfarrstelle an sein Ziel kommt.

Ihr Pfarrer Markus Deckert


Spendenbitte: Diesem Gemeindebrief liegt ein Überweisungsträger bei, mit dem Sie Ihr Scherflein weiterreichen können, das die Herstellung der Gemeindebriefe für dieses Jahr mitfinanziert. DANKE für Ihre Aufmerksamkeit!


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