Pfarrer
Markus Deckert

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Liebe Loschwitzer und Wachwitzer, liebe Gemeinde,

noch ist es frostiger Winter. Noch stehen die Bäume kahl in der Landschaft. Vom Blühen aber darf man doch träumen – auch von Kirschblüten hinter Kirche und Pfarrhaus.
Noch ist es Passionszeit. Noch folgen wir – Sonntag für Sonntag – der via dolorosa, dem Tränenweg unseres Heilands. Lesen in den Evangelien vom sich zuspitzenden Missverstehen, von Abwehr und Spott, von Gewalt und Gottesferne. Wir mögen die Klagerufe im Eingangschor der „Matthäus-Passion“ hören und sogar die Hammerschläge am Kreuz.. Aber – der Oster­morgen kommt ganz sicher. Das Kirchenjahr hält das große Fest bereit. Die Wahrheit des Christenglaubens ist gar nicht zu denken ohne die Ahnung der befreienden Heilstat Gottes. (1. Kor. 15, 14)

Noch ist manches anders, erschreckend anders, als wir es ersehnen. In den gefährlichen Spannungen in der Welt und manchmal auch unter uns. Frostiger Winter statt der Zeit des Blühens und Reifens süßer Früchte. Herbe Erfahrungen von Leid statt herzhaft-ansteckendem Osterlachen. Und doch liegt Wandel in der Luft, wenn wir nur beginnen, an ihn zu glauben.
Das haben auch Loschwitzer Gemeindeglieder vor ein, zwei Generationen so erlebt. Während Nachbarn den Ausreiseantrag stellten oder längst auf und davon waren, während andere die ruinöse Ansicht an der Straße nach Pillnitz gleichgültig ließ, weil sie „der Kirche“ sowieso den Rücken gekehrt hatten, läuteten wieder andere die Glocken in der Ruine. Und träumten und beteten den Tag herbei, an dem der Schutt einmal beräumt sein würde und statt wild wachsender Birken im Kirchenschiff die Botschaft neu gehört und wieder „Christ ist erstanden..“ gesungen würde ..

Mancher Traum erfüllt sich nicht so handgreiflich wie der, der uns nun anno domini 2019 bereits „25 Jahre wiedererstandene Loschwitzer Kirche“ feiern lässt.
Und mancher Traum muss weiter geträumt werden – nicht verschlafen, nein, so, dass er Menschen bewegt, aufzuwachen! Einer davon: Der Erhalt der Kantorenstelle!
Nach allen Berechnungen und Abstimmungen sagen wir derzeit: Wenn unsere Gemeinde jährlich 6.000,– € zusätzlich aufbringt, ist dessen Erfüllung zum Greifen nah. Einig müssen wir nur werden, wie diese Summe am sichersten Jahr für Jahr unter uns erbracht wird. Zwei Wege tun sich auf: Die Bitte, zusätzlich etwas obenauf als jährliches Kirchgeld zu überweisen. Oder die Gründung eines Förderkreises besonders Interessierter. – Und ganz langfristig wird der Ertrag der Stiftung das Instrument sein, mit dem auch diese Herausforderung geschultert werden kann. Mögen wir es heute schon glauben – oder noch nicht.

Was auch sonst gilt, gilt auch hier: Geben wir unsere Träume nicht zu früh auf! Bleiben wir dran. Stiften wir mit! Und trauen wir dem Gebet! Laden wir selbst ein zu den Konzerten in unserer Kirche. Und singen wir ab sofort womöglich selbst wieder mit beim klagenden Kyrie, beim jubelnden Gloria. In Loschwitz war es 1994 vor allem das jubelnde Gloria. Denn was für ein Traum hatte sich damals erfüllt! Und er setzte sich Jahr für Jahr fort – bis zur Aufrichtung des Hochaltars aus der Sophienkirche hier nun am Elbhang.
Nach den Zeiten des Bauens folgen die Zeiten des verantwortlichen Erhaltens. Dabei sind wir gerade – nicht nur in baulichen Fragen. Wollen wir doch, dass es weiter blüht – das Miteinander der Gemeinde. Doch wann blüht etwas auf? Was braucht es dafür? Wann ist es soweit? Unter Druck wird wenig blühen. Aus winterharter Erde lässt sich kein grüner Halm ziehen, keine Blüte aus einem Zweig.
Es braucht Wärme und Licht. Für neue Blüten muss die Zeit reif sein. Ist auch heute solche Zeit?

Wenn wir uns nach Christus ausstrecken, dann ganz bestimmt! Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht und das Wort, das wir sprechen, als Lied erklingt, dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut, dann wohnt er schon in unserer Welt. Ja, dann schauen wir heut schon sein Angesicht in der Liebe, die alles umfängt .. (Singt von Hoffnung 0115)

Was der Erfurter Claus-Peter März nur wenige Jahre vor dem Beschluss zum Wiederaufbau unserer Kirche dichtete, was damals auf hektographierten Handzetteln als neues Lied weitergereicht wurde, das atmet den Geist einer großen Freiheit. Es lässt aufhorchen, weil dieser Glaube nichts Gestriges, sondern etwas ganz Heutiges für Morgen ist. Solch ein Geist ist den Menschen in unserem Gotteshaus immer wieder zu wünschen!

Viele Kinder und manche Erwachsene wurden in den letzten Jahren hier getauft. So viele, dass wir ab der Osterwoche erstmals einladen, die „Taufbeeren“ heimzuholen. Sie, die an unsere 2016 und 2017 Getauften erinnern, werden dann abgehängt. – So viele Konfirmanden sind es auch in diesem Jahr, dass wir zwei Festgottesdienste mit ihnen und ihren Gästen feiern – und allen, die es wünschen, einen Platz anbieten wollen.

Nehmen wir das Blühen wahr, um das wir doch bitten! Und feiern wir miteinander Ostern, weil Gottes Liebe alles umfängt.

Ihr Pfarrer Markus Deckert


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