Pfarrer
Markus Deckert


Der Geist Hippolyt Saurers scheint im Schweizer Städtchen Arbon allgegenwärtig zu sein. Sein früher Tod 1936 war nach Meinung des Präsidenten des Saurer Oldtimer-Clubs, Ruedi Baer, eine der Ursachen für den Niedergang der einst stolzen und großen Marke, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg wie die ganze Schweiz regelrecht „einigelte“ und so zum Regionalanbieter abstieg. Ganz anders noch um die Jahrhundertwende: Saurer vergab weltweit Lizenzen an Lkw-Hersteller und begründete damit auch die Nutzfahrzeug-Fabrikation bei MAN.

Anfragen von überall her sorgten dafür, dass Saurer alle Kontinente belieferte und bis 1911 zum größten Lkw-Hersteller der Welt aufstieg! Als Daimler, Benz und Co. noch überlegten, welche Märkte man in Europa eventuell angehen könnte, lieferten die Thurgauer bereits nach Afrika, Asien und Südamerika.


Liebe Gemeinde, liebe Gäste unserer Loschwitzer Kirche,

was lese ich da im digitalen Netz? Woran erinnert mich die Firmengeschichte des alten Saurer-Busses vor der Loschwitzer Kirche? Die Frage nach der bleibenden Bedeutung von etwas einstmals Begründetem – sie ist zu allen Zeiten relevant.

Ob es sich um Busse handelt – oder um Glaube und Kirche. In manchen Zeiten scheint es wie selbstverständlich zu sein, dass sich ein Produkt durchsetzt, eine Ansicht gilt, ein Lied gesungen wird, ein Glaube lebt. Später kann man darüber nur staunen: Das Produkt ist längst nicht mehr auf dem Markt – höchstens ein Kuriosum auf dem Flohmarkt. Die Ansicht von damals wirkt höchst befremdlich und entbehrt jeder politischen Korrektheit. Das Lied ist verklungen und vergessen. Und der Glaube? Welcher Glaube? War der auch einmal bedeutsamer – und hat sich nun eingeigelt ins Private .. ?

Zu Pfingsten feiern wir die Ausgießung des Heiligen Geistes. Begehen ein Grunddatum der Welt- und Kirchengeschichte. Doch wie ordnen wir dessen Bedeutung heute ein?

Die Kirche war quasi eines der ersten globalen ,Unternehmen‘. Weltweit gibt es ein dichtes Netz von Zweigstellen des Jesus-Glaubens. Es gibt eigentlich keinen guten Grund dafür, dass der sich zurückzieht. Wo wären denn bessere Antworten zu finden – tröstlichere, Sinn stiftendere, letzten Endes gültigere?

Zugleich kämpft das Unternehmen Kirche mit seiner Präsentation. Die Statistiken, jedenfalls für Deutschland, sind rückläufig. Manche Prognose taucht auf, die an den Oldtimer Saurer denken lässt. Was braucht es da? Eine Marketing-Kampagne? Eine Evangelisation? Oder einfach: Gottes Geist?

Dieser Geist ist Markenkern, nicht nur des Pfingstfestes, sondern der Kirche Jesu. Dieser Geist wird zur Konfirmation zugesprochen – und auch sonst will er wirken. Bewirkt, dass Menschen nicht stumm bleiben, nicht verschämt blicken, wenn es um ihren Christus-Glauben geht. Nein, dass ein Strahlen in ihr Gesicht kommt. Dass sie sich zugehörig und verwurzelt wissen. Inspiration von oben lässt Verständigung gelingen. Sie bringt Menschen in Bewegung, immer wieder neu. Nicht nur in Taize. Nicht nur in Rom. Nicht nur in den Pfingstkirchen Afrikas oder Südamerikas. Auch unter Menschen am Elbhang, im Elbtal, wenn sie sich nur darauf einlassen ..

Die Kirche ist kein alter Oldtimer – zu Festtagen noch einmal vorgeholt, aber irrelevant für mein Leben. Eigentlich zu teuer – aber Erinnerung an die guten alten Zeiten. Nein, die Kirche ist und bleibt ein bewegtes Gemeinschaftsunternehmen. Eine ,Steig Ein-Initiative‘, wenn Sie so wollen.. Generationenübergreifend Heimat, sogar Zufluchtsort. Sicher, für manchen von außen manchmal „wie von einem anderen Stern“. Kirche, sie erinnert daran, dass es mehr gibt, als was ich sonst kenne. Dass ich das Steuer meines Lebens nicht allein führe. Und dass ich mit vielen anderen unterwegs bin auf ein großes Ziel zu.

Konfirmationen, Tauffeste, Gemeindefeste. Sie laden ein und erzählen davon in diesen Wochen. Erzählen Sie anderen, was Ihnen unsere Kirche bedeutet! Und stoppen Sie ab und an, wenn Sie an einer Kirche vorbeikommen – jetzt, in den schönsten Wochen des Jahres!

Ihr Pfarrer Markus Deckert


Der Ausgabe des Gemeindebriefes "Sommer" liegt der Kirchgeld-Brief bei.
Wir bitten um freundliche Beachtung.


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