Nosseni Altar

 

     
   


Seit dem 6. Oktober 2002 haben wir in unserer Kirche einen Altar, von dem man sagen möchte: er konnte – nach allem, was geschichtlich geschehen ist – keinen würdigeren Ort finden als unsere wiedererstandene Kirche. Und unsere Kirche konnte anstelle des zerstörten Bährschen Altars keinen schöneren in sich aufnehmen als diesen von Maria Giovanni Nosseni entworfenen Altar.

Der Erntedanktag, ein würdiger Festtag, bildete den Rahmen für diesen so wichtigen letzten Höhepunkt des Wiederaufbaus unserer Kirche. Wer alles miterlebt hat, – den feierlichen Gottesdienst mit so vielen lieben Gästen aus nah und fern, die Grußstunde mit den herzlichen Dankesworten, den Festvortrag von Herrn Prof. Dr. Magirius, der uns die geschichtlichen wie auch ästhetischen Dimensionen dieses von der Kurfürstin Sophie gestifteten Altars fast atemberaubend nahe brachte, und abschließend die zum Vespergottesdienst gestaltete Renaissancemusik, – wer das alles miterlebt hat und sich darüber hinaus im großen Gedränge der vielen Menschen auch bei Essen und Trinken in einer wunderbaren Gemeinschaft aufgehoben sah, der wird diesen Tag als ein tiefes, nachhaltiges Geschenk für unser Gemeindeleben erfahren haben.

Wir können Gott über alles nur danken, denn alles hat er „wunderbar gemacht“. Dies gilt auch für den ganzen Weg unserer Gemeinde in den letzten Jahren Zu dem Wunderbaren gehört der Geist, die innere Grundhaltung vieler Menschen unserer Gemeinde, die bereit sind, ihre Kraft und ihre Gaben in den Dienst des Ganzen zu stellen, so dass man wirklich von einem Leib mit vielen Gliedern sprechen kann, wie es Paulus im 1. Korintherbrief formuliert.

Entscheidend ist dabei, dass wir in allem, was wir tun, die Ehre Gottes suchen, so wie der Altar - wiewohl von Menschen gemacht - die alles übersteigende Wirklichkeit Gottes verkörpert. Aus solcher Demutshaltung quillt wie selbstverständlich die tiefe Freude, die uns trägt und die uns die von uns allen ersehnte Wärme des Miteinanders schenkt. In diesem Sinne möchte ich allen, die sich in irgend einer Weise mit beteiligt haben am Gelingen unseres Festtages, von Herzen danken.

Nosseni-Altar
Zur Vergrößerung ins Bild klicken!

Ich möchte die Weihe unseres Altars auch einmal zum Anlass nehmen, zu unseren Gottesdiensten herzlich einzuladen. Die Kirche ist für alle Menschen offen. Niemand braucht Angst zu haben, eine Schwelle zu überschreiten, über die er nicht wieder zurückfindet.

Überhaupt soll unsere Kirche täglich offen sein, offen zur Stille, zum Ausruhen, zur Sammlung und zum Gebet. Wie wichtig eine offene Kirche ist, wissen wir selbst, wenn wir bei Reisen oder Besuchen vor einer Kirche stehen und die Tür verschlossen ist.

Diese Art „Predigt“ der Kirche steht allem, was wir von Gott wissen, entgegen. Das Wesen Gottes ist es – so glauben wir –, die Einladung an jeden Menschen. Wir sind seine Geschöpfe und kehren immer nur zu ihm zurück.




Chronologie des Nosseni-Altars

 

1250 Entstehung eines Franziskanerklosters in Dresden mit einer einfachen Saalkirche
1351 Erweiterung dieser Kirche zur zweischiffigen Hallenkirche
1539

Säkularisierung des Klosters im Zuge der durch Heinrich den Frommen in Sachsen eingeführten Reformation.
Heinrich d. Fromme vermacht Kloster und Kirche dem Rat der Stadt Dresden mit der Auflage, es zu „geistigen und milden Sachen“ zu verwenden.

1602 Der Rat der Stadt lässt mit Unterstützung der KurfürstinSophia die Kirche instandsetzen
II. WK

Luftschutzprogramme zum Schutz wertvollen Kulturgutes –
für den Nosseni-Altar hieß das:

  • Bergung und Einlagerung wesentlicher Figuren (Auferstandener u.a.)
  • Vermauerung des Predellarreliefs
  • vorsorgliche Abformung wichtiger Teile in Gips
1945 13./14. Februar
Altar wird beim Ausbrennen der Sophienkirche nach dem Angriff schwer beschädigt
1945 Dezember
Anfertigung eines Aufmaßes vom Altar durch Architekt Erwin Krause im Auftrag des damaligen Landesamtes für Denkmalpflege – Grundlage für die 1995 begonnene Rekonstruktion des Altars
1962/63

Abriss der Ruine der Sophienkirche im Zusammenhang mit dem Beschluss
des V. Parteitages der SED zum Wiederaufbau des Dresdner Stadtzentrums zur sozialistischen Großstadt
Das hieß:
Verlust des ältesten vorhandenensakralen Bauwerks der Stadt Dresden.
Im Laufe der Abbrucharbeiten auch Abtragung und Einlagerung des beschädigten Altaraufbaus. Durch unsachgemäßen Umgang mit den an verschiedenen Orten ausgelagerten Altarteilen weitere Beschädigungen und Verluste

1979 Erfassung aller erhaltenen figürlichen Teile des Altars für die zentrale Denkmalliste der DDR
ab 1991

Wiederaufbau der ebenfalls am 13. Februar 1945 zerstörten Loschwitzer Kirche
Damit realistische Möglichkeit zur Altarrekonstruktion,da der Wiederaufbau des Bährschen Kanzelaltars nicht möglich war Beschluss des Kirchenvorstandes der Gemeinde Loschwitz zur Übernahme des Altars in die Kirche

1995 Beginn der Rekonstruktion des Altars auf der Grundlage der vom Dresdner Architektenbüro Schubach und Klose erarbeiteten denkmalpflegerischen Zielsetzung
Grundlage dieser Zielstellung:
Integration alleroriginalen, geborgenen Figuren, Teilstücke und Reliefs
(insgesamt ca. 350) in ein neu zu errichtendes statisch-konstruktives System
1996 Aufstellung des Edelstahlgerüstes in der Kirche, das, später unsichtbar, die statische Basis des Altars bildet
2001

Sommer - Beginn des Altaraufbaus in der Loschwitzer Kirche

2002

Weihung des Altars

 

Die Ergänzungen fehlender Marmor- und Serpentinteile des Altaraufbaus erfolgen in Stuckmarmor, der in Farbe und Struktur dem Originalfragment angeglichen wird, sodass das ästhetische Gesamterscheinungsbild des Altars wieder entsteht.
Die Plastiken, Reliefs und dgl. aus Alabaster werden nach Möglichkeit materialgerecht ergänzt. Eine endgültige Fassung aller Teile erfolgt erst nach dem kompletten Aufbau des Altars.
Mit der Restaurierung der bildkünstlerischen Arbeiten wurde der Bildhauer Christian Schulze und mit den Stuckmarmorergänzungen die Kunstformerei Zehrfeld betraut.

(Quelle: E. Münzner, Januar 2001)

Fotos der vom Bildhauer Christian Schulze rekonstruierten Plastiken und Reliefs finden Sie hier.

 


 
 
© 2003