Liebe Gemeinde, liebe Leser,

nein, das sind nicht zwei unserer neugewählten Vorstände! Aber dennoch – hier sind Vorturner am Werk: Ute Irmscher und Horst Reim haben sich die alte Erntekrone vor- genommen und wieder zu Ehren gebracht. Aus der Ferne, aus Falkensee und aus Gaußig, stammen die Halme. Schon im Sommer müssen sie aufbewahrt werden, wenn sie im Spätsommer eingeflochten werden sollen ..

Es ist ein Bild von der Freude des Zupackens. Dafür ist die Gemeinde ein wunderbarer Ort! Hier, wo wir einander begegnen, wo wir das Leben feiern, können wir einander stützen und miteinander zupacken. Können wir füreinander beten und sichtbar machen, warum es schön ist, zu hoffen und zu glauben. Und das auch und gerade in herausfordernden Zeiten.

So vieles gilt es anzupacken! Davon wissen die Mitarbeitenden, nicht zuletzt die scheidenden Kirchvorstände, ein Lied zu singen. ,Hinter dem Altar‘ unserer Kirche bleibt vieles zu tun, damit das gemeindliche Leben gelingt. Nur scheinbar ist es selbstverständlich, dass Glocken läuten, Brot und Wein eucharistisch geteilt, der Geist des Gottvertrauens weitergetragen wird .. Nicht selbstverständlich ist, dass Sie diesen GEMEINDEBRIEF in Händen halten, dass wir Erntedank und Kirchweih, dass wir bald schon wieder ein Weihnachtsfest feiern.

Die herausfordernden Zeiten, in denen wir leben, führen uns vor Augen, wie wenig überhaupt selbstverständlich ist! Und so brauchen wir einander – erfinderisch und vorsichtig, bedacht UND eben: Zupackend. Und so tasten wir uns voran, um uns auch in diesen Zeiten zu versammeln und einander ein bestimmtes Maß an Nähe und Verbundenheit zu erhalten.

Von der menschlichen Arbeit erzählt das Erntedank – wie das Kirchweihfest. Bloß gut, dass wir das große Jubiläum der Wiedererstehung unserer Kirche bis 1994 bereits vor einem Jahr feiern durften – nicht auszudenken, es wäre in die Corona-Zeit geraten! Ich sehe noch die vielen schönen Kränze entlang der Emporen hängen .. Sehe noch so viele Menschen aus ganz Deutschland herbeiströmen, sehe sie ohne jeden Mindest-abstand beieinander auf den gespendeten Fußbodenplatten stehen und emphatisch – ohne jeden Mundschutz! – singen. Manche hatten dabei Tränen in den Augenwinkeln.

Von der Freude am sichtbaren Segen erzählen die Feste. Von der Hoffnung und Zuversicht, Gott möge tragen und bewahren.

Was heißt das jetzt? Können wir auch dieser Zeit etwas abgewinnen, was uns dankbar feiern lässt? Ich bin gespannt, wie es uns gelingt, auch zu Erntedank 2020 von „aller guten Gabe“ zu reden und zu singen!

Oder sind Sie ein Mario Adorf-Typ? Der gestand anlässlich seines 90. Geburtstages, er habe viel Glück gehabt im Leben. „Aber ich bin nun auch nicht unbedingt der Typ, der sich nach dem Aufwachen erst einmal beim lieben Gott bedankt, dass er ihm noch einen Tag geschenkt hat.“

Wenn er’s nur immerhin an seinem 90. Geburtstag geschafft hat, zu danken! Scham und Scheu sind groß, verwehren oft, Dankbarkeit zu zeigen. Sich einzugestehen, dass ich nicht selbst und jedenfalls nie allein mein Leben zu meistern verstehe. Dass da Kraft, Geist, Energie von oben dazugehören. Ja, sie kommen „her von Gott, dem Herrn, drum dankt IHM, dankt, drum dankt IHM, dankt – und hofft auf IHN“ (EG 508).

Ihr / Euer Pfarrer Markus Deckert