Liebe Gemeinde,

auf den ersten Blick: Was für ein schöner Sommer! Die Elbwiesen bleiben grün in diesem Jahr, der Fluss zieht mit hohem Wasserstand am Elbhang vorbei und lässt die Sächsische Dampfschifffahrt auf ein einmal wieder gutes Geschäft zusteuern. Kirschen wie alles Obst gedeiht unter Sonne und Regen. Die Menschen atmen auf nach den Begrenzungen der Pandemie. Biergärten und Filmnächte, Konzerte und Urlaubsziele locken. Gott sei Dank! wird das Leben wieder leichter und erlebnisreicher.

Wird es das wirklich?

Das 17. Kapitels des Königsbuches der hebräischen Bibel erzählt von einer Zeit der Dürre, deren Ende nicht abzusehen ist. Am Sonntag habe ich darüber zu predigen – die Medien aber sind gerade voller Nachrichten über die Folgen von Stark­regen und schlimmen Überflutungen, die auch in Deutschland zu Leid und Tod führten. Und da bin ich dann schon beim zweiten Blick auf das, was uns umgibt und begegnet.

Ausbleibender Regen war und ist genauso bedrohlich wie sein Gegenteil – ungebremste, unerwartete Fluten. Beides haben wir auch im Elbtal in den vergangenen Jahren erlebt und manche unter uns erlitten. So schön fürs Auge dieser Sommer daherkommt – es bleibt brisant, übers Wetter zu reden. Sind doch Vorboten und Zeugen des Klimawandels nicht zu übersehen, auch wenn sie sich anderswo in der Welt noch verheerender auswirken als bei uns. Und wir – sind wir etwa nur Beobachter? Nein, bestimmt nicht. Sondern als Gattung Mensch Opfer wie nicht selten Mitverursacher dieses permanenten, sich steigernden Geschehens.

Auf Urlaubswegen, etwa angesichts abschmelzender Gletscher oder versteppender Landschaften, genauso aber auch auf dem Weg zum Erntedank-Altar kann uns das bewusst werden.

Zeiten der Dürre – trotz reicher Ernten im Land. Zeiten der Dürre vor allem auch im übertragenen Sinn belasten Menschen unter uns.

Ob uns da die Verse, auf die die Erzählung im Ersten Königebuch zuläuft, den Sinn erhellen?

Da heißt es: So spricht der Herr, der Gott Israels: Das Mehl im Topf soll nicht verzehrt werden, und dem Ölkrug soll nichts mangeln bis auf den Tag, an dem der Herr regnen lassen wird auf Erden.

Die unmittelbare Abhängigkeit der Existenz – steht sie uns überhaupt noch so vor Augen wie Menschen zu anderen Zeiten? Wohl nicht! Wer sich in diesen Sommertagen an Popcorn und Cola, Steak und Starkbier, Sushi und Aperol Spritz labt, dem wird es nicht so leicht werden, sich auch nur vorzustellen, dass der Mehltopf endlich sein kann. Und es Situationen geben mag, in denen kein Nachschub in Sicht ist. Und doch ergeht dies Millionen von Menschen so.

Eine besonders lange Dürreperiode liegt – Stand Ende Juli ’21 – hoffentlich bald hinter uns: Fünf Vierteljahre mussten wir uns aufgrund der Virusgefahr begrenzen und viele Kontakte einfrieren. Den immer Wenigeren, auf die wir trafen, reichten wir wegen der Ansteckungsgefahr nicht mehr die Hand, der Ellbogen-Check wurde zur Alternative. Mühsam nur gelingt es nun wieder, sich an frühere Nähe zu wagen – Umarmungen, Küsse? Ja, vielleicht!? Selbst der Gemeindegesang, der Menschen im Gottesdienst erbaut, verbindet und über sich hinauswachsen lässt, litt hörbar. Und wann der Gemeinschaftskelch wieder beherzt genommen und im Abendmahlsrund von Hand zu Hand weitergegeben wird, das weiß Gott allein. Die langen Monate der Pandemie, die zu viel Polarität führten, wirken nach. Und von einer vierten Welle der Infizierungen wird immer öfter gesprochen.

Und doch stirbt die Hoffnung zuletzt! Ist die Freude, dass Leben mit allen Sinnen zu erleben, nicht kleinzukriegen. Lodert die Sehnsucht nach der Fülle der Lebensgaben.

Auf der Höhe des Sommers lässt mich 1. Könige 17 auch schon an Erntedank denken. Der Bibeltext erzählt davon, dass Gott Menschen wie diesen Elia auch in Zeiten der Dürre mit Lebensnotwendigem versorgt. Und sich dabei manches einfallen lässt.

Nehmen wir sie wahr, die nur scheinbaren Selbstverständlichkeiten: Den Lebensatem, mit dem uns Gott an jedem neuen Morgen beschenkt. Das Blühen und Wachsen und Gedeihen, das Zwitschern und Tirilieren, den Gesang der Schöpfung, der uns froh und demütig werden lassen kann – wenn wir nicht so hantieren, dass die Schöpfung nur noch zu seufzen vermag über die Unvernunft des Menschen (Römerbrief 8, 22).

Und feiern wir das gottgeschenkte Leben – in Achtung und Dankbarkeit für all die guten Gaben, die wir empfangen haben (EG 320, Vers 1).

Den Leib, die Seel, das Leben / hat ER allein uns geben; dieselben zu bewahren, tut er nie etwas sparen. Nahrung gibt er dem Leibe, die Seele muss auch bleiben, wiewohl tödliche Wunden sind kommen von der Sünden. Sein Wort, sein Tauf, sein Nachtmahl dient wider alles Unheil; der Heilig Geist im Glauben lehrt uns darauf vertrauen. Erhalt uns in der Wahrheit, gib ewiglich Freiheit, zu preisen deinen Namen durch Jesus Christus. Amen.

Seien Sie alle herzlich gegrüßt in dieser Sommerzeit! Bleiben wir bewahrt und gesegnet von Gott, von dem wir so singen können.

Ihr Pfarrer Markus Deckert