Liebe Gemeinde zum Osterfest,

zwar ist der Frühling am Elbhang eingezogen und wir sind durch die Passionszeit auf Ostern zugegangen. Aber wie anders als gewohnt stellt sich das Leben dar! Unerwartet und gründlich hat sich unser aller Alltag verkehrt. Nicht einmal mehr Gottesdienste gibt es zu feiern!

Mit diesem Blatt erreicht Sie deshalb ein außergewöhnlicher Gruß Ihrer Kirchgemeinde. Eine Sonderausgabe des GEMEINDEBRIEFES, so steht es schon auf dem Titel. Keiner der neuen Kommunikationskanäle kann ihn wirklich ersetzen, erreicht er doch Alt und Jung, internetaffine und computerlose Mitchristen über den Briefkasten. Und Sie alle dürfen dankbar feststellen: Jemand hat ihn mir auch in diesen Zeiten ans Haus gebracht!

Und das, obwohl wir aufgefordert sind, Distanz zu halten – das Risiko einer Ansteckung mit dem Virus ist einfach zu groß. Der Letzte unter uns dürfte diese Lektion gelernt haben, für sich selbst und für andere ..

Distanz halten – diese rational begründete Situation trifft uns im Innersten: Leben wir doch davon, nicht allein für uns zu sein. Einander nah zu kommen in Begegnung und Gemeinschaft, Liebe und Streit und Versöhnung. Auch im Einüben und Feiern des Glaubens. Wie ungewohnt ist es, allein zu singen, allein zu beten, allein auf einen Bibeltext zu hören. Allein – und doch vor Gott.

Kann ich das? Will ich das überhaupt? Es ist eine große, herausfordernde Erfahrung, vor Gott auch einmal allein zu sein. Sie führt an Grenzen – Jesus im Garten Gethsemane ist DAS Beispiel für eine solche herausfordernde Einsamkeit.

Als Gemeinde wollen wir Brücken zueinander bauen. Hoffnung wecken – auch und gerade jetzt, wenn Türen zu Besuchen oder gemeinsamen Erlebnissen verschlossen bleiben. Umso schöner, wenn sich andere Türen auftun!

Sind es nicht schon österliche Erlebnisse, wenn Kinder in der Gemeinde für deren Senioren Bilder malen, wie es gerade unter uns geschieht? Wenn Sie – so Sie einen Computer haben – zuhause der Wegscheider-Orgel unter den Händen unseres Kantors lauschen können? Wenn Sie immerhin wissen, dass im Fall des Falles ein Anruf in der Pfarrkanzlei genügt, und ein seelsorgerliches Telefonat oder ein Einkauf vermittelt wird?

Dieser GEMEINDEBRIEF wie auch die neu ausgerichtete Website der Kirchgemeinde wollen Hoffnungszeichen sein. So, wie auch das Geläut unserer Glocken. Sie rufen dreimal täglich – zum Gebet. Mit allen Glocken diesseits und jenseits des Flusses läuten sie am Ostermorgen das große Hoffnungsfest der Auferstehung unseres Herrn und Heilands Jesus Christus ein, der dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat. (2. Tim. 1,10)

Und so rufe ich uns zu: Lasst uns nicht allein mit sozialer Distanz und penibler Hygiene, sondern auch in einer Mentalität der großen Zuversicht und Osterfreude die Macht des teuflischen Virus Corona besiegen helfen!

Ich glaube, daß Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will.
Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen. (..)
Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen.
Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.
In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein. Dietrich Bonhoeffer

Solchen aus der Osterfreude erwachsenen Glauben wünsche ich uns allen,

Ihr / Euer Pfarrer Markus Deckert