Liebe Loschwitzer und Wachwitzer, liebe Gemeinde,

… eine Brücke! Doch eine, mit der etwas nicht stimmt. Nah der Kirche, in der die Gebeine Heinrich von Brühls begraben sind, dem die Dresdner die Brühlsche Terrasse verdanken, überbrückt sie die Neisse. Aber überbrückt sie sie wirklich … ?
Wie so viele Brückenbauwerke in den letzten Kriegswochen 1945 gesprengt, wurde sie nie wieder funktionstüchtig. Gesprengte Brücken sind Zeichen für gekappte Verbindungen – entlang von Oder und Neisse bis heute in großer Zahl in diesem Zustand zu besichtigen. Gott sei es geklagt sind Brücken bis in unsere Tage Ziele für Kriegsparteien.

Die Loschwitzer Brücke wurde vor solcher Zerstörung bewahrt. Nicht auszudenken, was es hiesse, ohne sie auszukommen! Ihre Sperrung für wenige Wochen hat im Sommer zu unerwarteter Stille und Aufenthaltsqualität am sonst verkehrsumtosten Körnerplatz geführt. Und auch zu unerwarteten Begegnungen auf der verbliebenen schmalen Fußgängerquerung. Wie gut, sich zu erkennen! Sich augenzwinkernd zu grüßen! Sich einmal wieder zu sprechen – dazu mit so schönem Blick ins Land!

Sieben unterschiedliche Brücken verbinden in Dresden die Elbufer – die Augustusbrücke, das „Blaue Wunder“ oder die einstmals so umstrittene Waldschlösschenbrücke voran. Mit seinem ruhigen Verlauf prägt der Fluß das Stadtbild – fließt zu Füßen der weinbestandenen Elbhänge genauso wie zwischen all den anderen dicht bebauten Stadtteilen, zwischen Elbsandsteingebirge und Meißner Land. Allerdings trügt die Postkartenidylle. Nicht immer führt die Elbe viel Wasser. Und vor wenigen Wochen kamen aus gleicher Richtung wie der Fluß Rauchschwaden gezogen. Sie führten dem Letzten die Brände in der Schweiz vor Augen. Auch manchmal sonst ist`s vorbei mit dem ´schönen Blick`: Wenn Meinungen und Stimmungen in der Stadtgesellschaft oder auch nur unter sogenannten Freunden kaum mehr zu überbrücken sind …

Sehen wir, was sich zeigt?

Die Welt trocknet aus .. ?! Wozu noch Brücken, wenn Flüsse zu Rinnsalen werden? Aber auch die Dürreperioden im Miteinander sind nicht zu übersehen. Sonst gepflegte Gärten verdorren. Sonst gepflegte Kommunikation erlischt. Was ist zu beklagen und Gott ans Herz zu legen? Wofür zu danken? Und wo steht der Mensch Gottes Segensverheißungen im Weg?

Wieder sind wir gerufen, mit dem Kirchenjahr mitzugehen: Die Fülle von Gottes Gaben zu feiern. Um Frieden zu bitten. Gott baut Brücken, wo Menschen sie gesprengt oder auch nur verlernt haben, sie zu nutzen. Heilige Texten reden uns ins Herz, wenn wir uns öffnen für das Wort von der Versöhnung, von der Neuschöpfung, von verheißener Erlösung.

Und die Jahreslosung erinnert weiter das Christus-Wort:
Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen! Joh 6, 37

ER, der Heiland, ist die Brücke zwischen Gott und uns Menschen. So sind wir eingeladen in ein Leben, das diese Brücke kennt. In eine Umarmung, aus der uns nichts und niemand reissen kann. Die sich vielleicht erst dann als wahrer Halt erweist, wenn an uns gezogen und gezerrt wird.

In anderen Weltgegenden leiden Menschen massiv unter Krieg und Not und Klimaveränderungen. Aber auch unser Land steht vor einem Herbst, der durch Unsicherheiten führt. Nicht alles, was wir erleben, lädt ein zum Singen und Loben. Das Leben, das wir dankbar aus Gottes Hand nehmen können, das Leben, das wir zu Erntedank feiern wollen, es ist verwoben mit Erfahrungen von Schwere und Unsicherheit. Dieses Wissen soll nicht fromm verkleistert werden. Dennoch ist uns gesagt:

Was immer Dir auch begegnet / mitten im Abgrund der Welt: / Es ist die Hand, die dich segnet, / Es ist der Arm, der dich hält.

Rudolf Alexander Schröder

Sieh hin, Mensch: So hilft Gott Deinem Glauben auf. DENNOCH zu glauben – so heißt es manchmal! Sich halten zu lassen – gerade auch im Leid. Gott baut Brücken, wo sie mutwillig abgebrochen wurden. Steht für das Leben gegen alle lebensfeindlichen Mächte ein. Und bahnt Wege über den Fluß des Todes – Wege ins Morgen und ins Übermorgen. Bis in die Ewigkeit.

LOVE hat da jemand bunt an den Brückenpfeiler in Forst an der Neisse gesprayt. Ja, die Liebe trägt! Gottes Liebe trägt viel.

Ihr Pfarrer Markus Deckert