Unser Titelbild – Ein Exponat aus der Ausstellung zum Tag des offenen Denkmals vom 8. September: Hans Schirmer „Loschwitz mit Kirche“, 80 x 60 cm Öl, um 1935.
Privatbesitz, Gerd Grießbach, Dresden

Liebe Loschwitzer und Wachwitzer,
liebe Gemeinde im Advent,

was für ein Winter steht uns bevor? Wird es überhaupt ein Winter werden, wie man ihn von früher zu kennen meint? Mit einer dichten Schneedecke, die sich auf alles legt, auf jeden Baum und Strauch, die Straßenlaternen und sogar parkende Autos momentweise verzaubert. Mit soviel Schnee, dass er der lauten Stadt ein Maß an Stille und dem Verkehr eine andere Gangart abnötigt? Oder wird durchgearbeitet werden auf den Baustellen der Stadt? Und wieder Kunstschnee produziert, um ja nur überhaupt Ski fahren zu können gleich gegenüber der Brühlschen Terrasse?

Das Titelbild wenigstens beschert ihn uns – den Blick auf ein winterlich verschneites Loschwitz. Ja!, wird mancher denken. So war das noch in meiner Kindheit. Verlässlich war knackige Kälte zu erleiden. Waren zünftige Rodelpartien die Plattleite oder die heutige Diezstraße hinab angesagt.. Wo ist diese Zeit hin? Soll man sie sich zurückwünschen?

Das Gotteshaus inmitten der Wohnhäuser, der barocke Bau Bährs und Fehres aufragend über den Dächern des Dorfes. Im Jahr 1935, als das Bild entstand, war diese Loschwitzer Ansicht schon ein gewagter Blick zurück. Nostalgie im Gewand der Kunst. Der Ort war bereits 14 Jahre der Großstadt zugemeindet und länger schon einigermaßen verstädtert. Zehn Jahre später wiederum – 1945 – galt der hier gezeigte Blick dann schon als historisch – die ausgebrannte Kirchenruine malten die allerwenigsten in Öl.

Lange Jahrzehnte hätte die Ansicht – vermutlich vom Burgberg oder der Plattleite aus – anders aussehen müssen. Erst das Wunder der friedlichen Revolution und die Träume der hiesigen und einiger Münchner Christenmenschen liessen das Gotteshaus vor den staunenden Blicken der Anwohner wiedererstehen. Die gerade erst erlebte Festzeit rund um „25 Jahre wiedererstandene Loschwitzer Kirche“ hat uns wieder vor Augen geführt, wie wenig selbstverständlich sie ist, diese wunderbare Ansicht, nun heute wieder.
Ein kleiner Rückblick auf das im vergangenen Herbst gefeierte Jubiläum mit vielen Gästen und in bewegenden Formaten ist auf unseren Internetseiten möglich.

Und der Blick voraus? 99 Jahre nach der Eingemeindung von Loschwitz nach Dresden geht infolge verordneter Strukturveränderungen in unserer Landeskirche die jahrhundertelange Eigenständigkeit unserer Kirchgemeinde nun mindestens teilweise dahin: Ab dem Jahresbeginn 2020 wird unsere Kirchgemeinde Teil einer fünffachen Verbindung mit den benachbarten Gemeinden am Hang, die „anstellende“ Kirchgemeinde das benachbarte Bühlau. Wieder weckt das Fragen nach dem, was war und ist und bleibt. Was Schnee von gestern ist und welche Zukunft uns erwartet.

Dass „die Kirche“ im Dorf bleibt, scheint dabei unstrittig. Ist sie doch nicht nur beliebtes Photo-Motiv, sondern steht sie wieder wie selbstverständlich inmitten der Häuser und des Stadtverkehrs. Ist sie gesuchter Konzertort und heiß gewünscht auch von auswärtigen Hochzeitspaaren. Noch viel mehr aber gilt: Unser Gemeindeleben ist überhaupt nicht mehr denkbar allein in den Räumen in der Grundstraße, in die die Loschwitzer und Wachwitzer fast fünf Jahrzehnte ausweichen mussten. Die Feier des Gottesdienstes hat hier ihren würdigen, wunderbaren Ort gefunden. Und vieles dazu.

Ob wir aber selbst zur „Kirche“ in unserem Wohnort Bezug haben, ob wir ihr zugehören und in der Gemeinde vor Ort ankommen? Das hängt nicht wirklich an der Schönheit eines barocken Baus. In den großstädtisch-unverbindlichen Verhältnissen unserer Zeit steht dies dahin und trägt den Charakter einer persönlichen Entscheidung. Prüfen Sie sich einmal selbst: Besuchen Sie die Christvesper oder einen Festgottesdienst – oder reicht Ihnen schon der Glockenton von fern? Kennen Sie Menschen, mit denen es Sie lockt, Ihre Kirche im Dorf zu besuchen? Reicht Ihr Interesse gar noch weiter: Hätten Sie eine Idee, wo Sie mit Ihren Gaben im Leben der Gemeinde gefragt sein könnten? Wäre es eine Option für Sie, in der Kantorei mitzusingen? Und wenn ja, wann sind Sie bereit dafür?

Liebäugeln Sie mit dem Gedanken eines größeren Engagements – und sind gerade dabei, dazu ernsthaft Anlauf zu nehmen? Auch das neue Jahr 2020 ist wieder für neue Vorsätze gut. Bei uns werden Sie beim Wort genommen, und gern kommen wir ins Gespräch darüber, an welcher Stelle Sie mitbauen wollen an der Kirche von morgen!

Längst sind es viele, die der Gemeinde ein Gesicht – ihr Gesicht – geben. Auch im hier vorliegenden GEMEINDEBRIEF finden Sie solche Menschen über die an einer Hand abzählbaren hauptamtlich Mitwirkenden hinaus. Wie gut, dass das so ist! Dass unter uns einzigartige, begabte, wunderbare Menschen anzutreffen sind.

Ich bin sehr dankbar für die gegenwärtige Besetzung unserer Aufgabenbereiche und weiß mit Ihnen, dass auch dies alles andere als selbstverständlich ist. Wie beim Bau der Kirche zählt auch hier ein unbedingter Wille, die Zukunft der Gemeinde nicht dem Zufall zu überlassen. Es wäre ein wahres Weihnachtsgeschenk, würde uns dies weiter so beschert sein – und Gottes Ruf an uns noch weitere Bereitschaft wecken.

Bei sich verschärfenden Verteilungsfragen im Kirchenhaushalt und einer immer wieder herausfordernden Notwendigkeit der Weitergabe von Verantwortung von einer Generation an die andere bleibt es dem Ruf an jede und jeden Einzelnen aufgegeben, ob und wie der Weg in die Zukunft gelingt. Und ist es ein Anliegen, das unsere Gebete begleiten sollten. Heißt es doch in Psalm 127: Wo nicht der Herr baut, bauen die Arbeiter umsonst ..

Das Bild Hans Schirmers ist anrührend schön. Und doch fehlt ihm auf dem Titel unseres GEMEINDE­BRIEFES etwas, was Sie als Betrachter bitte dazu denken: Licht! Adventslicht. Weihnachtsfestglanz. Jesus – das Licht der Welt, das all die Freude erst zu wecken versteht. Wenn Sie dieses Blatt in den Händen halten, leuchten in alle Richtungen die Sterne in der Turmlaterne, so wie auf Seite 26. Mag es uns in die Herzen leuchten! Mögen es die, die genau hinschauen und uns wie ein Maler von außen betrachten, entdecken, dass wir uns nach DIESEM Licht sehnen und ausstrecken. Dass wir es im Herzen behalten und weitertragen – in diese Welt.

Erwartungsvolle Tage und Segen über allen neuen Anfängen!

Ihr Pfarrer Markus Deckert