Unsere Gemeinde ist ein vielschichtiger Organismus mit Beziehungen, die selbstverständlich in die Stadtgesellschaft, die nach außen, die auch nach München und manchmal noch weiter reichen. 

Dass wir bei all den Erwartungen an uns und in uns und in all unserer Verschiedenheit im Herzen fromm, im Kopf klar und in Christus sowie miteinander verbunden bleiben, ist überhaupt keine Selbstverständlichkeit. Wo Freude im Spiel ist, staune ich oft selbst über das, was trotz aller Hürden gelingt. Dort wird für mich spürbar, dass das Evangelium sehr viel mit staunendem Entdecken und Ermöglichen von Freiheit zu tun hat. Dass es eine spürbare Kraft ist, die aus der Quelle des Lebens kommt (Römer 1.16). Ich bin sehr dankbar, in Loschwitz und Umgebung dafür wirken zu können. Und seufze und sehe kritisch, wo uns anderes treibt. Dabei leitet mich der schöne Satz des Propheten Jesaja, auf den ich mich bei meiner Arbeit immer einmal wieder besinne: „Die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, daß sie auffahren mit Flügeln wie Adler ..“ (Jes 40, 31). Daneben aber auch ein Wort des Apostels Paulus: „Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“. (2. Kor. 12, 9) 

Im Pfarramt habe ich für das, was nicht regional organisiert ist, die Leitung und im Kirchenvorstand den stellvertretenden Vorsitz. Ich arbeite unter anderem mit in den Ausschüssen für Bau und Kirchenmusik, im Finanz- und Personalausschuss, bin Kontakt-Person für Besuchsdienst und Nachtcafe-Arbeit, den Arbeitskreis Offene Kirche, verantworte den GEMEINDEBRIEF. Ich begleite 40 – 50 Jugendliche mit ihren Familien durch die Konfirmandenzeit, bin für Seelsorge und Verkündigung an der Loschwitzer Kirche und gern auch bei Ihnen zuhause erreichbar. Dankbar bin ich für die vielen Menschen, die in unserer Gemeinde mitdenken und mitwirken. Das vor allem macht gemeindliches Leben in seiner Vielfalt erst möglich und ist der wichtigste Grund dafür, warum meine Arbeit für mich nicht nur mit Anstrengung, sondern auch mit permanenter Anregung und überraschender Freude verbunden ist.



Liebe Gemeinde, liebe Loschwitzer und Wachwitzer,

fast wie ein impressionistisches Gemälde – so schaut sich das Titelbild an, finden Sie nicht auch? Aufgenommen von den Elbschlössern, sehen wir den Loschwitzer Elbhang in Winterfrost und Sonnenlicht zugleich gehüllt. Dort sind viele von uns zuhause. Dort haben wir in den vergangenen Monaten gelebt, manchmal tief durchgeatmet, hoffentlich auch gelacht, ganz bestimmt aber geseufzt. Haben wir Glücksmomente gespürt und – auch davon gehe ich aus – böse Träume erlitten. Unvergleichliche Weihnachtstage haben die meisten von uns jedenfalls dort in diesen Pandemiezeiten durchlebt.



Und nun sind wir bereits mittendrin im angefangenen Jahr 2021. Noch weiß ich nicht, wie Sie diese Zeilen lesen: Überwiegen Ende Februar und im März wohl Erfahrungen, die uns frösteln lassen? Oder andere, mit denen uns die Sonne aufgeht? Beide so auseinander liegenden Erfahrungen wird uns dieses Jahr bereiten. Noch unbestimmte Zeit werden wir unseren Alltag im Griff der Pandemie und der ihr begegnenden Schutzbestimmungen bestreiten müssen. Werden uns fragen, wie sich leben lässt und was uns gut tut. Und werden darauf pragmatische Antworten finden müssen. Wir werden erschrecken darüber, wie in anderen Teilen der Welt das Virus noch ganz anders als bei uns Hoffnungen raubt – Hoffnungen auf gutes Leben, Hoffnungen aufs Überleben. Und zum Streit um die Ressourcen der Erde längst der Streit um die gerechte (?) Verteilung der Impfstoffe tritt. Werden wir dennoch getrost und zuversichtlich sein und bleiben? Gottes Wort bestärkt uns jedenfalls darin. Siehe, ich bin bei Euch alle Tage .. ! so klingt es uns bei jeder Taufe im Ohr. So mag es uns an jedem neuen Morgen erinnerbar sein.

Ich wünsche uns allen gute Gesprächspartner und -partnerinnen! Gerade für die Fragen, die ans Existentielle rühren. Und bin auch selbst gern als Seelsorger für Sie erreichbar – bitte sprechen Sie mich an! Ich wünsche uns, dass wir durch diese Zeit möglichst gesund, aber auch sonst unbeschadet hindurchkommen! Fast ein Jahr schon ist Selbstisolation und Kontaktvermeidung angesagt. Das ,macht etwas‘ mit uns. Auf Dauer macht Rückzug krank. Werden Menschen missmutig und dünnhäutig. Beginnt zu fehlen, was uns gelassen und froh leben lässt.

Im Bild finden Sie bei genauem Blick auch den Turm unserer Kirche.
An jedem Tag und auch weiterhin steht unsere Kirche verlässlich offen – für ein stilles Gebet oder einen andächtigen Blick auf den Nosseni-Altar. Zum Zeitpunkt der Entstehung dieses Textes lädt hier eine Galerie ein, Ansichten zur Jahreslosung für dieses neue Jahr 2021 zu betrachten. Vielleicht haben Sie diese bis Mitte Februar gesehen?

Oder kennen Sie die Jahreslosung etwa noch garnicht? Das Wort, das im Lukas-Evangelium Kapitel 6, Vers 36 steht, heißt: Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist! Es ist ein Anruf, der sich gegen die abschätzige Kälte wendet, mit der Menschen einander viel zu oft begegnen – damals in Jesu Zeiten wie auch heute. Das alte schöne Wort Barmherzigkeit – es eröffnet einen weiten Bedeutungsraum, und lässt sich wohl für jeden und jede unter uns erhellen. Kleine und doch wunderbare Geschichten davon, wie Konfirmanden Barmherzigkeit er­lebt haben, sind nebenan in der Kirche zu lesen. Und Bilder gibt es in der Galerie noch zu sehen, in denen sich erschließt, was der Ruf Jesu auslöst – noch heute. Auf den Seiten 18 und 19 ein ,Blick durchs Schlüsselloch‘.

Dass wir barmherzig sind und bleiben, das erhofft Jesus von denen, die IHM folgen wollen. Dass darf Jesus von uns erwarten, wenn wir uns mit Ernst nach ihm Christinnen und Christen nennen. Leben wir doch alle von Gottes Barmherzigkeit, auch im angefangenen Jahr, auch in dieser Zeit, in der uns die Passion des Menschensohnes Jesus vor Augen gestellt wird. Nur dann wird es Ostern, nur dann ist Zeit, zu feiern, wenn wir uns auch durch die Tiefen des Lebens haben führen lassen.

Die Weihnachtsfreude haben wir im Rücken. Und das Osterlachen noch nicht im Ohr. Gott ist in tiefster Nacht erschienen. (EG 56). Und Jesus Christus ist durch den Tod zum Leben gedrungen. So kann und wird auch unsere Erfahrung von ,Nacht‘ nicht traurig und nicht endlos sein.

Lasst uns dem Frühling entgegenhoffen, dem Sonnenlicht nach allem Winterfrost! Und genauso den Festen der Begegnung nach der Selbstisolation dieser Tage!

In Vorfreude darauf, freundlich den Elbhang entlanggrüßend, wenn wir uns derzeit schon so selten nur sehen,

Ihr Pfarrer Markus Deckert