Zum Abschied

Alles hat seine Zeit…

Unter jenem Vers aus dem Prediger Salomos stand vor nunmehr 17 Jahren der Gottesdienst zu meiner Diensteinführung als Gemeindepädagogin in der Kirchgemeinde Weißig. Einige Zeit ist ins Land gegangen, kirchliche Strukturen haben sich verändert. Seit 2017 bin ich ebenfalls in Loschwitz als Gemeindepädagogin tätig. Inzwischen gehören beide Gemeinden zum gleichen Schwesterkirchverhältnis. Unverändert ist das Interesse der Familien am kirchlichen Leben teilzunehmen! Gern schaue ich auf die vergangenen drei Jahre hier in Loschwitz: die Christenlehregruppen, den Kinderkreis, die monatlichen Kleinen Gottesdienste für Familien mit ganz kleinen Kindern. Zweimal gab es Kinder-Theater-Tage mit gelungenen Theater-Aufführungen! Wir waren bei schönstem Winterwetter zur Familienfreizeit im Zittauer Gebirge und haben verschiedene große und kleinen Feste sowie unzählige Gottesdienste miteinander gefeiert. Besonders habe ich mich immer wieder an der großen Bereitschaft der Familien gefreut, die Kinderprojekte zu unterstützen.

Es war fast selbstverständlich, dass Hilfe bei der Betreuung von Spiel- und Bastelständen, beim Martinshörnchen-Backen und der Begleitung von Kindergruppen auf Ausflügen da war, nicht zu vergessen das Ausrichten des einen oder anderen Brunchs nach dem Gottesdienst. Mein besonderer Dank gilt dem Kinder-Kirche-Team, welches mit un­ermüdlichem Einsatz die Kindergottesdienste und regelmäßig auch mit mir Familiengottesdienste gestaltet hat. Ein kleiner Höhepunkt war unser Erzählfiguren-Seminar, bei welchem wir für unsere Biblischen Erzählfiguren die passenden Tiere hergestellt haben.

Alles hat seine Zeit – im Sommer werde ich mich aus der unmittelbaren Gemeindearbeit verabschieden und eine Stelle als Bezirkskatechetin im Kirchenbezirk Freiberg antreten. Die vielen guten Erfahrungen aus Loschwitz und Schönfeld-Weißig werden mich bei meiner Tätigkeit als Fachberaterin für Gemeinde­pädagogik begleiten. Meine Verabschiedung in Losch­witz findet im Gottesdienst am 21. Juni 2020 statt. Als Gemeindeglied bleibe ich Ihnen mit meiner Familie natürlich verbunden.

Es grüßt Sie Ihre Anne Kopp


Thema Pandemie:

Loschwitz – Zuflucht in Zeiten der Pest

Es ist erschütternd, dass trotz allem weltweiten großen menschlichen Leid schon wieder Verschwörungstheorien verbreitet werden, wer die Coronakrise absichtlich verursacht haben könnte. Hier könnte uns vielleicht ein Blick in alte Chroniken helfen, wie sie z. B. unser ehemaliger Loschwitzer Kantor Friedrich Wilhelm Pohle (1830 – 1892) aufgeschrieben hat, der in seinen Ausführungen weit über den Losch­witzer Tellerrand hinausblickt – zu seiner Zeit war das Europa. Hier erfahren wir, dass es in vergangenen Jahrhunderten schon immer einmal große Epidemien gegeben hat, vor allem die Pest, auch der „Schwarze Tod“ genannt. Er verwüstete mitunter ganze Landstriche mit Millionen von Toten. Diese Perioden hielten oft mehrere Jahre an. Das damalige alte Dresden in seinem Stadtmauerbereich blieb davon natürlich nicht verschont. Auf Grund der hohen Opferzahlen mussten deshalb mitunter neue Friedhöfe angelegt bzw. alte erweitert werden – der Eliasfriedhof ist z. B. so ein ehemaliger Pestfriedhof.
Aber die Chronisten konnten in diesem Zusammenhang auch Hoffnungsvolles berichten: So sollen Dresdner, die es sich zeitlich und finanziell leisten konnten, nach Loschwitz geflohen sein. Dort haben sie infolge der guten Luft, des guten Wassers und der Ziegenmilch, die ausdrücklich genannt wird, die Pestzeiten unbeschadet überstanden. Vor allem der Ziegengrundbereich wird als Fluchtdomizil genannt.
Dies zu wissen, sollte uns in der gegenwärtigen Situation aber nicht verleiten, die Festlegungen der Mediziner und Apotheker zur Überwindung der Krise gering zu schätzen, nur weil wir meinen, auch diesbezüglich in einer privilegierten Gegend zu wohnen. Eberhard Münzner, Loschwitz, am 29. März 2020


Nachtcafé für Wohnungslose

von unserer Sozialarbeit

Das Thema ist nicht selbstverständlich.

Die Erdgeschossräume in der Grundstraße 36 stehen für Gäste des Nachtcafés in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag offen. Und Gäste sind die, die durchs Netz gefallen sind und … Mitmenschen sind. Jeder ist anders; Frauen und Männer, Kranke und Gesunde, Junge und Alte… Manche sind Dresdner, andere von weit her, auch von außerhalb Deutschlands. Keiner wird befragt. Solange das Essen reicht und ein Schlafplatz auf einer Isomatte mit bezogenem Kissen und Wolldecke eingerichtet werden kann, darf jeder bleiben, essen, sich und seine Sachen waschen, schlafen und nach dem Frühstück wieder gehen. Im Halbjahr zwischen Winterzeit und Sommerzeit öffnen sieben christliche Kirchgemeinden. Die kommende Saison 2020/21 ist die 25.!

Unter den Gästen waren einige bemerkenswert. Zum Beispiel die Frau, die nach Scheidung, Arbeits- und Wohnungsverlust völlig hilflos war, ein Rollköfferchen hatte und gegen 22 Uhr erschien, wenn die Kulturveranstaltungen aus waren. Sie fragte in Kinos oder Konzertsälen, ob hinten irgendwo ein Platz frei blieb. An den „Baron“ ist zu erinnern. Er kam mit großem schwarzen Hut, Nadelstreifenanzug, schwarzem Stockschirm und Sommertrenchcoat und sprach mit dem Akzent der Banatbewohner. Es gab den Kurarzt – orientierungslos und von der Gegenwart unerreicht. Er kam in eine Diakonie-Pflegeeinrichtung. Ein Lokomotivführer, ein Kellner … die meisten Gäste sind männlich. Andy kommt seit zehn Jahren und bringt morgens seinen Teebeutel für einen Kräutertee. Ein Mandolinenspieler brachte uns einmal ein Ständchen am Morgen.

Für alle Gäste wird alles Notwendige getan von vielen Helfern. Sie kommen aus der Gründergemeinde „Weißer Hirsch“, aus unserer Gemeinde und manche gehören keiner Kirche an. Präsenzkräfte organisieren die Transporte der Lebensmittelspenden, der Wäsche von und zur Reinigung und den Einlassdienst. Die Sozialamtsleiterin der Diakonie leitet diese Mitarbeiter. Die Dresdner Tafel liefert Gemüse, Joghurt, Milch… Manchmal ist das Gelieferte für jede feine Tafel geeignet, manchmal ist es nur noch Resteverwertung. Bäckereien und Fleischereien der Umgebung spenden von nicht verkauften Dingen des jeweiligen Tages. Nicht verteiltes Essen aus dem Diakonissen-Krankenhaus wird an unsere Gäste weitergegeben. Die frische Wäsche fürs Nachtlager wird ausgegeben und am Morgen wieder eingesammelt. Alles Benutzte wird wieder sauber verwahrt. Die nicht verbrauchten Lebensmittel bekommen die Bewohner des Gustavheims. Nach den vielen Jahren hat sich die Logistik bewährt.

Was tun, wenn es einmal hapert, weil ein Ehrenamtlicher krank ist, wenn kein warmes Essen geliefert werden kann? Dann ist mehr als gut Gemeintes nötig – sondern gut Gemachtes. Manchmal schafft ein allein gelassener Helfer die Aufgaben nicht bis zum Schichtende. Das ist sehr selten; kommt aber vor. Das Arbeiten in der erneuerten Küche und den sanierten Nassräumen geht viel leichter von der Hand.

Jüngere, umsichtige und tätkräftige Ehrenamtliche sind eingestiegen. Sie lösen die Ur-Generation der Ersthelfer ab. Das Besondere dieser Saison ist, dass wir bis über unsere Kapazitätsgrenze Nachtgäste haben. Allen Aktiven sei gedankt, den alten Hasen, den neuen Mitmachern, den Verantwortlichen, den kritischen Beobachtern und dem Amt für Soziales der Stadt Dresden, das mehr als 90% der Finanzmittel zur Verfügung stellte für die Rekonstruktion des Duschraumes, der Toiletten und der Küche.

Ist das alles selbstverständlich?

Heide Siegemund


Was macht eigentlich der Besuchsdienst in unserer Kirchgemeinde?

Seit nunmehr 15 Jahren gibt es in unserer Kirchgemeinde den Besuchsdienst. Bei ca. 200 Besuchen jährlich, sind ungefähr 3.000 Besuche über die Jahre zusammen gekommen. Besucht werden zum einen die Kirchenglieder, die einen höheren Geburtstag feiern. Und zum anderen sind da die Neuen, die hier zugezogen sind. Seit 2 Jahren kommt der Besuchsdienst jedoch an seine Grenzen, auch aus Altersgründen. So mussten wir die Neuzugezogenen schmerzlich von unserer Liste streichen, obwohl gerade für sie eine erste Verbindung zu unserer Gemeinde wichtig wäre, auch um erste Berührungsängste zu nehmen.

Damit es weitergeht, suchen wir Mitstreiter, die sich vorstellen können, jedes Jahr 5 – 10 Besuche zu übernehmen. Es spielt keine Rolle wie alt Sie sind. Wir haben auch eine über 80-jährige in unserem Kreis, die jüngere Kirchenmitglieder besucht. Für einen Besuch gibt es kein festes Schema. Vor vielen Jahren, als ich noch mit Kinderwagen und kleinen Kindern unterwegs war, hat sich viel an der Haustür abgespielt. Heute gelingen mir die Besuche erst nach dem eigenen Feierabend oder an einem freien Tag. Mit einem kleinen Blumengruß ist schnell ein Kontakt hergestellt. Oft ergeben sich eindrucksvolle Begegnungen.

Als Gruppe von derzeit 18 Personen, treffen wir uns 2 x jährlich an einem Abend im Januar und im September zum Austausch.

Wir suchen weitere Mitstreiter und freuen uns über Ihre Mithilfe.

Bitte kontaktieren Sie mich sobald als möglich:
Jitka Barm: 0151-54716562 oder jitkav@web.de


„Fahrt ins Blaue“ mit Engagierten der Loschwitzer Gemeinde

Einige Bilder erzählen von den Zielen der diesjährigen „Fahrt ins Blaue“: Ein von allen Wettern gezeichneter Frühsommertag führte uns auf den Spuren von Clara und Robert Schumann unter die Schmorsdorfer Linde, später per pedes ins benachbarte Maxen. Herr Seidel erwies sich als Ortskenner, Herr Kocourek spielte uns virtuos auf der Maxener Orgel und Frau Dr. Niggemann erzählte uns couragiert und mit Herzblut von einer eigenständigen Kirchgemeinde durch die Zeiten – von preussisch-österreichischen Kriegstagen bis zu aktuellen Bedrängungen.

Sehr schön restauriert erlebten wir die Dorfkirche, und waren berührt davon, zu hören, dass gleich zwei Loschwitzerinnen, nämlich Frau Wölk und Frau Schneider, daran maßgeblich beteiligt waren!

Im rustikalen Dorfgasthof versorgt, reichte die Zeit sogar noch für einen abendlich-andächtigen Gang in die Röhrsdorfer Kirche. Ihr sind wir durch den in Loschwitz geborenen und dort tätig gewesenen Pfarrer Ludwig Max Heyd­rich verbunden.

An der Schmorsdorfer Linde, Ziel unserer Fahrt ins Blaue.

Ein eindrücklicher Tag neigte sich, als wir nach allem Erlebten wieder ins Elbtal rollten und uns vor unserer Kirche verabschiedeten.

Markus Deckert