Drohnenaufnahme: Markus Dose, Dresden, im Januar 2021

Gemeinde in Corona-Zeiten

Unter diesem Betreff gehen viele Mails hin und her, die ich erhalte, die ich versende. Unter diesem TOP tagt seit Monaten immer wieder der Kirchenvorstand. Unter diesem Oberthema wird in unserer wie in vielen anderen Gemeinden weidlich diskutiert, wird heiß gestritten oder auch Abstand gehalten zu jeder und jedem, der anders denkt. Gemeinde in Corona-Zeiten – das ist Gegenstand der Klage, der Einsicht und der bangen Hoffnung. In diesen Zeiten, in denen die Erfahrung von Gemeinschaft plötzlich anderer Gesten und Zeichen bedarf als eines Händedruckes, einer rappelvollen Empore, des vielstimmigen Chorgesangs und der wie selbstverständlichen Einladung, sich eine Hostie in die leere Hand legen zu lassen.

Ich empfehle unsere Gemeinde in diesen Zeiten Ihrer persönlichen Fürbitte! Und bete selbst dafür, damit wir beieinander bleiben.

Ja, was ist ,dran‘ in diesen Zeiten? Was sollten wir als Christinnen und Christen tun – und was sollten wir lassen? Anders, als in einer Reihe unserer Nachbargemeinden ist kein einziger Gottesdienst, keine Loschwitzer Christvesper entfallen. Ausgesetzt worden sind Konzerte und Gemeindeveranstaltungen. Und eng beschnitten die Formate, die uns bleiben. So, damit sie verantwortet werden können unter der Maßgabe der allgemeinen Kontaktminderung, die in der Gesellschaft gilt.

Alles steht infrage und es sind mühsame Kompromisse nötig – wohl noch für Monate. Wie können Konfirmanden begleitet werden? Wie kann gut verantwortbar Abendmahl gefeiert werden? Was heißt es, einander nah zu bleiben, einander zu besuchen? Wie lange noch müssen Blechbläser, Flöten, Kantorei und Kurrende schweigen? Wann dürfen wieder mehr als zehn Angehörige zur Beerdigung kommen? Und in all dem: Was erwarten wir voneinander?

Ich nehme zur Kenntnis, dass die Besucherzahlen auf etwa ein Drittel der sonst Gekommenen gefallen sind. Viele sind aber dennoch froh, zu wissen, dass die Kirchentüren offen stehen. Und so hat mancher den Engel unter der Orgelempore besucht, hat im Licht der Christbäume gesessen, seine stille Andacht gefunden – auch außerhalb von Gottesdiensten. Viele Zugriffe auf die in unserer Kirche produzierten Ton- und Bild-Aufnahmen haben in den vergangenen Wochen unsere Kirche sachsenweit ins Blickfeld gerückt.

Jede und jeder mag sich fragen: Was fehlt mir? Ist es Begegnung, ist es die Gemeinschaft um den Altar? Fehlt sie mir wirklich? Oder reicht mir der Spaziergang am Sonntagmorgen? Gott wohnt, wo man ihn einlässt. Ja, das kann auch der Frühstückstisch, das kann auch die Runde des Hauskreises, das wird auch das Abendlied zu zweit sein, in dem Gott mit uns wohnt.

Und dennoch ist es uralte kirchliche Erfahrung, dass sich der Glaube in Gemeinschaft nährt. Dass er angewiesen ist auf das, was ich mir nicht selber sagen kann. Da ist es gut, die dafür gestalteten Räume und Zeiten wahrzunehmen, in denen mir die Quellen des Glaubens offenstehen.

Der Vorwurf von ,Obrigkeitshörigkeit‘ wird immer einmal wieder in die Debatte geworfen. Wir als Gemeindeleitende sind nicht völlig frei in unserem Tun. Es gibt staatliche, es gibt landeskirchliche Bestimmungen. Es sind aber auch eigene Einsichten in der Runde, die miteinander in Einklang zu bringen sind. Und so ist es ein Abwägen zwischen der gebotenen Kontaktminimierung und dem Grundrecht auf Ausübung des Glaubens.

Aber auch den Vorwurf, all zu ,lässig‘ zu sein, wenn wir überhaupt einladen, habe ich vernommen. Mir ist von keiner einzigen Infektion durch einen Loschwitzer Kirchgang etwas bekannt geworden.

Ergebnis des gemeinsamen Nachdenkens im Vorstand ist das immer wieder aktualisierte HygieneSchutz-Konzept. Bereits vier Veränderungen hat es seit 19. Mai 2020 erfahren – immer waren es weitere Verschärfungen. Einsehbar ist es auf den Seiten 22/23 dieser Ausgabe.

Hoffen wir, dass eine nächste Aktualisierung wieder Erleichterungen mit sich bringt!

Bitte nehmen Sie deshalb die Aushänge und die Homepage der Kirchgemeinde mit ihren aktualisierten Informationen zur Kenntnis.

Ihr Pfarrer Markus Deckert


Hygienekonzept

Schutz- und Hygienekonzept der Ev.-Luth. Kirchgemeinde Dresden-Loschwitz
Ansprechpartner: Pfarrer Markus Deckert
Tel. 0351 / 309 151 80, Mail: deckert@loschwitzer-kirche.de
Erstellt am 19. Mai 2020, fortgeschrieben zum 5.10. und 15.12.2020,
aktualisiert am 11.1., 2. und wieder am 1.3.2021

Dresden-Loschwitz, 1.3.2021
Pfarrer Markus Deckert, Ev.-Luth. Kirchgemeinde Dresden-Loschwitz