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LIEBE GEMEINDE,
welche Gedanken kommen Ihnen bei einem Regenbogen?
Erinnerungen an einen romantischen Moment, der Streit um die Fahne, mit der Menschen, die sich von der Mehrheitsgesellschaft unterscheiden, um Anerkennung streiten oder schlichtweg die Gleichzeitigkeit von Sonne und Regen? Oder fällt Ihnen die mythische Geschichte aus der Bibel ein von Noah und der Sintflut, an deren Ende ein Regenbogen Himmel und Erde verband?
Eine merkwürdige Geschichte in Genesis 6-9, in der Gott beschließt, die Menschen zu vertilgen, weil das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens böse ist von Jugend auf. Aber mit der genau gleichen Begründung gelobt Gott am Schluss, die Menschheit nicht mehr zu verfluchen. Und der Regenbogen wird zum Symbol der Treue Gottes: es sollen, solange die Erde steht, nicht mehr aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.

Am Anfang der Geschichte wird Gott die Bosheit der Menschen einfach zu viel und er sagt: Jetzt reicht’s! Wissend um das gute Ende wagen wir vielleicht auszusprechen, dass vieles darauf hindeutet, das Gott wieder sagen könnte: Jetzt reicht’s! Die Winter drohen aufzuhören wegen der Klimaerwärmung, mit Ernten wird an der Börse spekuliert, so dass Menschen verhungern, und für viele schenkt nicht einmal die Nacht Erholung, weil die Heimat zerbombt ist. Dass bei uns alles teurer geworden ist oder immer weniger Menschen in der Kirche sind, kann mit der Not anderer nicht in eine Reihe gestellt werden.
Je schwieriger ich die Lage wahrnehme, um so dringlicher muss ich mich an diese Geschichte mit dem guten Ende erinnern. Will jeden Regenbogen als Zeichen verstehen lernen für Gottes Versprechen, dass die Welt weiter bestehen bleibt.
Aber kann ich denn darauf vertrauen, dass ich alles gut überstehen werde, was möglicherweise auf uns zukommt? All die Veränderungen, Einschränkungen und Gefahren? Ich bin doch kein Noah, der verschont bliebe, weil Gott in mir nichts Böses finden könnte. Ich bin darauf angewiesen, dass Gott die Welt trotz meiner Schlechtigkeit verschont. Ich möchte, dass meine Welt erhalten bleibt und ich in ihr.
Das allerdings hat Gott nicht versprochen. Es heißt nicht, dass weder Dollar noch Euro, weder Öl noch Gas, weder die Volkskirche noch die Demokratie, weder Rinderroulade noch die deutsche Fußballmeisterschaft aufhören werden. Es geht allein um die Grundlagen menschlichen Lebens.
Damit alles übrige bleibt, müssen wir natürlich viel tun. Die Demokratie, die Freiheit z.B. sind nicht selbstverständlich. Auch für Noah war viel ungewohnte und schwere Arbeit zu tun und er musste erhebliche Einschränkungen auf sich nehmen. Schon allein die Zahl der „Haustiere“!
Doch was haben wir nicht alles schon geschafft! All die Veränderungen nach 1989. Wenn ich nur auf die Schwierigkeiten sehe, den Angstmachern Gehör schenke, dann fehlt mir die Kraft. Als Petrus der Wellen gewahr wurde, begann er zu sinken, als er übers Wasser zu Jesus ging. Wir tun gut daran, zu tun, was in unserer Macht liegt, und bei all dem auf Gottes Zusage zu vertrauen, dass die Lebensgrundlagen erhalten bleiben.
Wer schon einmal nach einer Operation endlich wieder laufen konnte, wer das frische Grün im Frühling genießen kann, wer wieder hören, sehen und schmecken kann, der weiß diese Grundlagen zu schätzen. Ich vergesse das zu schnell, wie
besonders das ist. Und selbst wenn die Gesundheit schwächer wird, dann kann ich leben und lieben. Die Sonne spüren und den Regen, vielleicht sogar beides mit einem Regenbogen.

Ihr Pfarrer Gabriel Beyer

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